• Christian Lunkenheimer

Als Familie Corona überleben - mit Liberating Structures

Henri Lipmanowicz and Keith McCandless haben einen großartigen Artikel geschrieben, wie man mit Liberating Structures ein funktionsfähiges Familienteam in Coronazeiten bildet- könnte mit leicht abgewandelten Fragestellungen auch super für die Gestaltung des HomeOffice oder des Homeschooling sein. Die deutsche Übersetzung erfolgt mit freundlicher Genehmigung. Links verweisen anders als im Original auf die deutsche Liberating Structures Seite.

Ein großer Teil der Virusverbreitung passiert in den Familien. Ein Familienmitglied bringt den Virus nach Hause und infiziert die anderen. Arbeitet die ganze Familie zusammen, eine Übertragung zu verhindern, macht das einen großen Unterschied - nicht nur für die Familie, sondern auch für ihr Umfeld. Allerdings: Weder Kinder noch Erwachsene lassen sich gerne sagen, was sie zu tun haben und stemmen sich intuitiv gegen auferlegte Maßnahmen. Glücklicherweise folgen aber sowohl Kinder als auch Erwachsene Regeln, sofern sie gemeinsam mit ihnen erarbeitet wurden und sie sie für vernünftig halten.

Hier ist also die Herausforderung für die Eltern: Wie bezieht man die ganze Familie (Erwachsene und Kinder) mit ein, um in produktiver Weise effektive Maßnahmen und Regeln für alle aufzustellen? Die gute Nachricht ist, dass es Methoden gibt, die zur Inklusion und Partizipation genutzt werden - und die so einfach sind, dass Eltern sie problemlos mit ihren Kindern nutzen können. Hier sind ein paar, die weltweit genutzt werden, jeweils mit ihren Anwendungsfeldern. Beschreibungen und Schritt-für-Schritt-Anleitungen finden sich auf der Liberating Structures Website.


  • TRIZ hilft der Familie, kontraproduktive Verhaltensweisen zu identifizieren und zu lassen. Der erste Schritt lädt die Familie ein, zunächst alleine dann gemeinsam eine Liste mit "allen Verhaltensweisen zu erstellen, die wir als Familie tun können, um sicher zu gehen, mit Covid-19 infiziert zu werden." Diese Liste hilft, in einem zweiten Schritt zu identifizieren, was die Familie tatsächlich schon kontraproduktiv tut, um in einem dritten Schritt zu entscheiden, was gelassen wird und wie.

  • Min Specs hilft bei der Identifizierung über die absoluten "must do's" und "must not do's" für jedes Familienmitglied, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren. Die Familie macht zunächst eine Liste mit allen Dingen, die sie tun oder lassen könnten. Die Liste wird dann fokussiert auf die absoluten Minimalanforderungen.

  • Troika Consulting hilft jedem Familienmitglied, einfach Hilfe von anderen aus der Familie zu jeder aktuellen eigenen Herausforderung zu erhalten. Troika kann ebenfalls virtuell übers Telefon oder Videokonferenz genutzt werden, um Hilfe von Freunden zu erhalten.

  • Conversation Cafe hilft der Familie, über das aktuelle Geschehen zu reflektieren. Die Einladung könnte so aussehen: "Wie fühlst du dich, angesichts dessen, wie wir mit der Pandemie umgehen?" Es werden zwei Runden gemacht, gefolgt von einer offenen Diskussion und einer letzten Runde mit einem Redeobjekt.

  • What? So What? Now What? hilft der Familie, ihr Verhalten regelmäßig zu überprüfen, und zu überlegen, was als nächstes getan werden soll. Das Ganze geschieht in drei Runden: Was ist dir aufgefallen? Was bedeutet das? Was sollen wir jetzt tun?

  • Wicked Questions hilft bei der Identifizierung von sich widersprechenden Herausforderungen (etwa zwei entgegengesetzte Ergebnisse oder Strategien, die beide erstrebenswert sind), denen sich die Familie widmen muss, um mit der Pandemie erfolgreich klarzukommen.

  • Discovery & Action Dialogue (DAD) bietet eine Reihe von sieben Fragen, die dabei helfen, potenzielle Risiken zu entdecken und ihnen zu begegnen. Start ist hier die Frage: "Woran erkennst du, dass einer von uns etwas getan hat oder einer Situation begegnet, die potentiell riskant ist?

  • Agreement & Certainty Matrix hilft bei der Sortierung von Maßnahmen zum Infektionsschutz in einfach, kompliziert und komplex.

  • Improv Prototyping hilft der Familie, effektive Verhaltensweisen einzuüben und Schritt für Schritt zu verbessern.

  • 15% Solutions hilft bei der Fokussierung, was jeder und jede einzelne tun kann und darf.

  • What I Need From You hilft der ganzen Familie, sehr klar zu sagen, was sie voneinander brauchen und was sie voneinander erwarten können.

  • Simple Ethnography hilft jedem aus der Familie, das tatsächliche Verhalten innerhalb und außerhalb des Hauses zu beobachten und aufzuzeichnen.

  • Open Space Technology gibt jedem die Möglichkeit, ein Thema vorzuschlagen, dass diskutiert werden soll.


Wie startet man? Es gibt keinen besseren Start als einfach zu starten. Egal, wie seltsam es sich anfühlen mag, es ist nicht schwer - und die einzige Möglichkeit es zu lernen ist im Tun.

  1. Wähle eine oder mehrere Methoden aus, die dein Interesse wecken (vorzugsweise zusammen mit deinen Kindern).

  2. Lade dir die Schritt-für-Schritt-Anleitung herunter. (Auch als App im Apple App Storeoder Google Play.

  3. Überlege dir die genaue Fragestellung.

  4. Folge den Anweisungen. Vertrau ihnen und mach es einfach.

  5. Such dir die nächste Methode aus, und die nächste, und die nächste - Übung macht den Meister!

Übrigens: Kinder verstehen die Methoden am schnellsten, von daher könnten deine Kinder die Methode anleiten.

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