• Christian Lunkenheimer

Ein Pastor Working out Loud

Anfang des Jahres stieß ich auf einen Tweet von Kathrin Bischoff:

Neugierig wie ich bin, wollte ich sowieso schon länger #WOL ausprobieren, ergriff die Chance, meldete mich und verbrachte die nächsten zwölf Wochen in einem Working-Out-Loud-Circle mit den wunderbaren Menschen Elena Mertel, Kathrin Bischoff, Mariann Lange und Lars Hennings.


Was ist WOL?

Der Autor, John Stepper schreibt:

Working Out Loud is a way to build relationships that help you achieve a goal, develop a skill, or explore a new topic. Instead of networking to get something, you invest in relationships by making contributions over time, including your work and experiences that you make visible. Working Out Loud Circles, the peer support groups, help you experience the benefits for yourself.

Und für Churchpeople: Quasi ein "Hauskreis für die Wirtschaft", allerdings mit einem klaren Ziel: Beziehungen bauen, die bei der Zielerreichung helfen - und nebenbei das eigene Mindset verändern.


1. Effekt: Schöner netzwerken

Denn, ich muss zugeben, Netzwerken fiel mir oft schwer. Es fühlte sich so anbiedernd an. Künstlich. Kurz: Ich fühlte mich nicht wohl dabei. Jetzt nach den zwölf Wochen habe ich viele neue Kontakte kennengelernt und das auf eine Art und Weise, die mir deutlich entgegenkommt. Statt als Bittsteller entstehen die Kontakte organisch - indem man seine eigene Arbeit sichtbar macht (Etwa meine Überlegungen zu Kirche in Coronazeiten oder zur Einrichtung eines digitalen Gemeinderaumes über Zoom). Die Gespräche, die daraus entstehen, erweitern und vertiefen die Beziehungen, die ihrerseits einem selbst bei der Erreichung seiner Ziele helfen - in meinem Falle: Lernen, wie #digitaleKirche heute aussehen kann.


Das ist im Grunde schon alles. So einfach - und so mächtig:

The practice starts with three simple questions: 1. What am I trying to accomplish? 2. Who's related to my goal? 3. How can I contribute to people to deepen our relationship? Picking a simple goal makes it purposeful, and orients who you choose to build relationships with and what kinds of contributions you might make. Instead of networking to get something, you lead with generosity, investing in relationships that give you access to other people, knowledge, and possibilities. Your contributions can range from recognition & appreciation to sharing learning, resources, and original work that might be helpful to others.  A Working Out Loud Circle is the best way to put the idea into practice, and to develops habits and a mindset you can apply to any goal.

2. Effekt: Kollaboratives Mindset

Grade eine Veränderung des Mindsets konnte ich bei mir auch feststellen. Mittlerweile gehe ich sehr viel freigiebiger mit Informationen und Ideen um, teile meine Aufmerksamkeit deutlicher mit ("likes", "Kommentare") und genieße es, mit Menschen über die Arbeit ins Gespräch zu kommen. Während früher meine Gedanken sich mehr damit beschäftigten, was ich von einer Idee, einem Konzept etc. habe, überlege ich nun immer mehr gleich mit: Wen könnte das sonst interessieren? Wen bringt das weiter?


3. Effekt: Arbeiten am Ziel - mit peer pressure

Wer Kollisionen mit seinem inneren Schweinehund scheut, wird durch die wöchentlichen Circle-Treffen liebevoll aber bestimmt genudgt, an seinem Ziel (oder wenigstens dem nächsten Circleguide) zu arbeiten. So manchem Beitrag hat das über die Schwelle geholfen. Dazu kommt, dass man eine wohlwollende Gruppe im Hintergrund für Feedback, Ermutigung und Sparringspartner hat.


Working out Loud für die Kirche? Aber sicher!

Stellt sich für mich abschließend die Frage: Ist WOL etwas für die Kirche? Ich denke: Aber klar! Wenn ich mir vorstelle, wie sehr ich im Alltag im Silo arbeite, wie viel meiner Arbeit zwar für andere interessant ist - aber doch nur in meiner eigenen Gemeinde Anwendung findet... Wieviel effektiver könnten wir sein, wenn wir Predigtmanuskripte, Seminare, Best-Practices u.v.m. bereitwillig teilen, statt immer selbst das Rad neu zu erfinden?


Wie schön wäre es doch, eine Predigt mal mit verschiedenen Beitragenden wirklich zu Ende zu entwickeln, statt immer nur mit dem eigenen Gebets- und Gehirnschmalz Sonntags auf der Kanzel zu stehen? Und wie schön, Ideen von überall in die Kirche von morgen einzubauen (Wie etwa die Onlinekneipe, die ich bei Julia Wieland kennengelernt habe)? Und wie schön, qualifiziertes Feedback zur eigenen Arbeit zu bekommen - und dabei zu wissen, dass diese auch außerhalb der eigenen Gemeinde zur Geltung kommt - gerne auch überkonfessionell! Warum sollten gute Ideen Freikirchler sein?


Also ja - auch Kirche braucht mehr Working out Loud!


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