• Christian Lunkenheimer

Coronakirche - ein Praxisbericht


Donnerstag, 12.3. - Ich auf Dienstreise, plötzlich die Frage im Chat des Ältestenkreises: Was machen wir Sonntag? Normal Gottesdienst feiern? Stühle weiter auseinander stellen, Kirchenkaffee ausfallen lassen? Komplett absagen? Eine kurze Zoom-Konferenz später ist klar: Mein pastorales Tätigkeitsprofil wird sich in den nächsten Wochen massiv verändern. Hashtag #CoronaKirche.


Was also macht die Freie evangelische Gemeinde als Freikirche mit ca. 100 Mitgliedern? Und was lässt sie?


Bei uns stellt sich als besondere Herausforderung die Tatsache, dass durch eine Fusion mit der EFG Gevelsberg zum Jahreswechsel aktuell zum einen die Identifikation als eine Gemeinde auf der Agenda steht, zum anderen einige der neuen Geschwister gar kein Internet haben.


Gottesdienste

Relativ schnell haben wir entschieden, dass wir keinen eigenen Gottesdienst-Livestream anbieten. Predigt wäre leicht zu bewerkstelligen, aber Musik ansprechend abmischen ist leichter gesagt als getan. Daher haben wir uns einige Streams angesehen und empfehlen unseren Gemeindegliedern nun (in klassisch bis jugendlich-moderner Reihenfolge):



Neben den Livestreams von außerhalb werden wir die ein oder andere Andacht unserer Pastoren verteilen (mal eine vertraute Stimme hören und so) - es stand eh ein eigener Podcast in der Pipeline, der wird jetzt beschleunigt.


Was wir uns aber nicht nehmen lassen: Jeden Sonntag um 11:30 gibt es virtuelles Kirchenkaffee via Zoom zum Austausch über die Livestreams, Kontakt halten etc.


Zoom: Digitales Gemeindehaus

Sowieso ist Zoom unser digitales Gemeindehaus. Für ca. 17€/Monat erhält man via Zoom einen virtuellen Meetingraum, der bei uns 24/7 offen steht (für visuell veranlagte Menschen ließe sich sogar der Gottesdienstraum als virtueller Hintergrund einrichten). Alle Gemeindeglieder können mit einem Permanentlink unkompliziert mit nur einem Klick den Raum betreten. Auf diese Weise können sich auch Hauskreise dort weiter treffen.


Als feste Termine im Wochenverlauf haben wir unser Kirchenkaffee am Sonntag morgen, ein Gebetstreffen Dienstagabend (hier werden auch wichtige Infos weitergegeben) sowie zwei digitale Hauskreise, die von uns Pastoren moderiert werden: Der eine ist ein Bibelgesprächskreis (Johannesevangelium), der andere ein theologischer Gesprächskreis. Dort lesen und diskutieren wir das Buch„Heiliges Leben“ von Sebastian Rink (auch als Hörbuch auf Spotify).


Für Besprechungen und kreativere Formate bietet Zoom Screensharing, Whiteboard, Umfragen und - besonders nützlich - Breakoutrooms: Damit kann man seine Teilnehmer in Kleingruppen schicken - Gamechanger!


Und das Beste: Man kann auch (zum Ortstarif) unkompliziert via Telefon teilnehmen.Auch hier hat man eine feste Telefonnummer mit festem Einwahlcode.


Erklärt wird das Ganze hier:




Kontakt halten

In Gevelsberg wurde uns Pastoren sogar von 1:1 Besuchen der Risikogruppe abgeraten. Daran halten wir uns. Besuche gibt es nur in Notfällen. Das bedeutet: Die Telefone laufen heiß.


Wir nutzen bei uns ChurchTools als Gemeindekartei. Dort kann man ein Follow-Up einstellen: Besuchsteam und Gemeindeleitung haben so eine immer aktuelle Liste mit Menschen, die in regelmäßigen Abständen kontaktiert werden. Kontakt läuft dann über Telefon oder auch mal eine Postkarte.


Empfehlungen aus der #digitaleKirche

Für die digital-affinen in unserer Gemeinde haben wir ein paar Angebote aus der digitalen Kirche empfohlen: Den ein oder anderen Podcast (z.B. Worthaus), das nun live gestreamte JesusHouse, Andachtsapps wie AndachtsApp oder XRCS etc.


Nachbarschaftshilfe

Den Löwenanteil unserer Zeit nahm die Organisation der Nachbarschaftshilfe #Nachbarschaftschallenge ein. Wir wollten mehr als nur Zettel mit Hilfsangeboten in die Hausflure hängen, daher haben wir eine zentrale Anlaufstelle geschaffen, die die Nachbarschaftshilfe in Gevelsberg koordiniert. Mittlerweile hat sich auch die Stadtverwaltung unserem Projekt angeschlossen und leitet Hilfsgesuche aus dem Bürgertelefon an uns weiter.


Hilfsgesuche erreichen uns per E-Mail oder Telefon und werden dann in Trello eingetragen. Nur persönlich bekannte HelferInnen (in- und außerhalb der Gemeinde) erhalten Zugang zu diesem Trelloboard, dort können sie dann auswählen, welche Hilfe sie leisten möchten. Genauer ist das hier erklärt


Chance

Ansonsten sehe ich derzeit in erster Linie die Chancen: endlich mal die digitalen Tools ausprobieren, für die bislang die Akzeptanz gefehlt hat, durch Ausfall freigewordene Kapazitäten kreativ nutzen, sich endlich mal der Neugestaltung der Website widmen und und und…


In zwei kurzen Zoomkonferenzen mit KollegInnen aus der Twitterwelt sind ansonsten noch ein paar weitere Ideen zusammengekommen, diese könnt ihr euch hier anschauen (leider sind einige davon für uns schon nicht mehr durchführbar).


Fragen, Anmerkungen, Kommentare gerne hier unten. Ich freu mich von euch zu hören und zu erfahren, wie ihr #CoronaKirche gestaltet.


Zuerst erschienen auf dem Leiterblog.

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